|
|
Carl
von Ossietzky und die Deutsche Liga für Menschenrechte http://homepage.hamburg.de/menschenrechtsbund/ossiezky.html Text von Barthold
Olbers – Dank den diversen Helfern! |
|
|||
|
Die Bedeutung von Carl von
Ossietzky für die Deutsche Liga für Menschenrechte Ich mache an dieser Stelle darauf
aufmerksam, dass Ossietzkys Zugehörigkeit zur Deutschen
Liga für Menschenrechte (DLfM) von einigen Informationsquellen
verschwiegen wird. Er war eines ihrer führenden Mitglieder. Im August (?)
1926 oder am 13. Oktober 1926 wurde er zum „geschäftsführenden
Vorstandsmitglied“ gewählt. Ich (Olbers) besitze die Kopie eines Briefes vom
2. November 1926, den Ossietzky selbst unterschrieben hat, aus dem hervorgeht,
dass er am 13. Oktober gewählt worden
ist. Damit ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass er auch vorher schon
Vorstandsmitglied gewesen ist. Er gab seine Vorstandsfunktion allerdings
schon im Mai 1927 wieder auf, weil ihn die „Weltbühne“ zu sehr in Anspruch
nahm. Dabei hatte nicht nur Ossietzky für
die Liga eine herausragende Bedeutung, sondern auch die Liga für Ossietzky:
Im Frühjahr 1934 beginnen die weltweit verstreuten Mitglieder der Liga für
Menschenrechte eine internationale Kampagne mit dem Ziel, dass Ossietzky den
Friedensnobelpreis bekommen soll (siehe unten unter „Friedensnobelpreis“ und
über den Link Einstein),
und weitere wichtige Persönlichkeiten unterstützen den Antrag. Am 23.
November 1936 wird ihm der Friedensnobelpreis zugesprochen. Dass Ossietzky
den Preis nicht persönlich entgegennehmen durfte, ist eine andere Sache. Es trifft zu, dass Ossietzky auch
einigen anderen Vereinen angehört hat, z. B. der Deutschen
Friedensgesellschaft (heutige Namen: DFG-VK
und DFG-IDK) und den Freimaurern. Es ist
daher verständlich, dass auch andere Vereine stolz darauf verweisen, dass
Ossietzky einer der ihren gewesen ist. Weitere
Informationen über Ossietzky Kindheit, erster Beruf und Familiengründung Carl von Ossietzky wird am 03.
Oktober 1889 (Eberhard
Fromm schreibt 1887) in Hamburg geboren und wächst in Hamburg-St. Georg
auf. 1904 verläßt er die Realschule ohne die Mittlere Reife erlangt zu haben. Von 1907 bis 1914 ist er mit kurzer
Unterbrechung Büroangestellter beim Hamburger Amtsgericht. Dort bekommt er
einen Eindruck vom Staatsapparat, mit dem er sein ganzes weiteres Leben
bittere Erfahrungen machen sollte. Am 19. August 1913 heiratet er Maud
Hester Lichfield-Woods. Mit ihr bekommt er am 21. Dezember 1919 seine Tochter
Rosalinde. In der Nacht vom 27. Zum 28. Februar 1933 wird Carl von Ossietzky
inhaftiert und stirbt am 4. Mai 1938 in Unfreiheit. Noch 1933 gelang es
einigen Freunden, die Tochter Rosalinde nach England zu bringen; seit 1936
lebte sie in Schweden. Maud von Ossietzky blieb in Deutschland. Ossietzky hat insbesondere zwei Vorbilder Zwei Personen machen vor dem Ersten
Weltkrieg großen Eindruck auf ihn: August Bebel, ein Abgeordneter in der
Bürgerschaft und in der Hochburg der Arbeiterbewegung – von ihm dürfte Carl den Grundsatz gelernt
haben, den er später für sein eigenes Handeln übernahm, nämlich die Schuld
für die Niederlagen nicht zuerst bei anderen, sondern bei sich selbst zu
suchen. Die zweite Person ist Bertha von
Suttner, Tochter eines österreichischen Generals, Verfasserin des
berühmten Buches „Die Waffen nieder“ und Gründerin der Deutschen
Friedensgesellschaft; sie erläuterte auf ihren Vorträgen ihre
Vorstellungen von einem friedlichen Ausgleich unter den Menschen. Aktives Mitglied in vier
engagierten Vereinen 1908 wird er Mitglied der Hamburger
Gruppe der „Deutschen
Friedensgesellschaft“ (DFG) und der „Demokratischen Vereinigung“, die ab
1909 die Wochenzeitung „Das freie Volk“ herausgibt. Er wird später
ehrenamtlicher Mitarbeiter dieser Zeitschrift. Sein erster nachweisbarer
Artikel erscheint am 25. Februar 1911. Er kritisiert die enge Verbindung
zwischen Kirche und Staat und den Militarismus. Über den Militarismus sowie
über die Bürgerrechte und ähnliche Themen hält er Vorträge. Am 7. Mai 1914
wird Ossietzky aufgrund eines kritischen Artikels zu einer Geldstrafe von 200
Reichsmark verurteilt. Im Herbst 1919 zieht er nach Berlin,
nachdem er dort Sekretär der DFG geworden
ist, der u.a. auch Albert Einstein und Käthe Kollwitz angehören. Schon am 30.
Juni 1920 beendet er seine Sekretärsstellung wieder, da er politische Fragen
sehr viel radikaler beurteilt als seine Freunde von der DFG und er sich
außerdem ganz dem Journalismus widmen will. 1920 initiiert er zusammen mit
Karl Vetter und Kurt Tucholsky
die Friedensbewegung „Nie wieder Krieg!“ Ab 1920 wird er Mitarbeiter
verschiedener Zeitungen. Ich habe jetzt nicht die Information vor mir, wann
er Mitglied der „Deutschen
Liga für Menschenrechte“ (DLFM) wird. Aber von August 1926 bis Mai 1927
gehört er ihrem Vorstand an und ist auch danach einer ihrer angesehensten
Mitglieder. Weitere heute noch bekannte Mitglieder der DLfM sind Albert
Einstein und Kurt
Tucholsky. Berühmt durch die „Weltbühne“ Am bekanntesten wird Ossietzky
dadurch, dass er von 1926 bis zu seiner Verschleppung 1933 Herausgeber der
Zeitschrift „Weltbühne“ ist. Am 26. April 1926 tritt er als Redakteur in die
„Weltbühne“ ein, für die Tucholsky
schon seit 1913 arbeitet (bis 1918 unter dem Namen „Die Schaubühne“), und
wird am 11. Oktober 1927 Herausgeber dieser Zeitschrift. Diese Arbeit nimmt
ihn so sehr in Anspruch, dass er im Mai 1927 seine Vorstandsfunktion in der
Deutschen Liga für Menschenrechte niederlegt. Die Weltbühne ist damals die
bekannteste politische Zeitschrift, deren Bedeutung dem heutigen Hamburger
Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gleichkommt. Ossietzky wird zu einem der
bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Am 23. November 1931 wird er
wegen eines Artikels, der am 12. März 1929 in der Weltbühne erschienen war,
als verantwortlicher Redakteur vom Leipziger Reichsgericht in einem
aufsehenerregenden Prozess wegen „Landesverrat“ zu 18 Monaten Gefängnis
verurteilt. Der Artikel trug den Titel „Windiges aus der deutschen
Luftfahrt“, war unter einem Pseudonym erschienen und wies auf die geheime
Aufrüstung Deutschlands hin. Im Rahmen der Weihnachtsamnestie wird Ossietzky
am 22. Dezember 1932 vorzeitig freigelassen, und er schreibt weiter Aufsätze
für die „Weltbühne“. Die Zeitschrift wird im März 1933 verboten. Ossietzky
gilt als „Volksverräter“ Verhaftung und KZ Nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten im Januar 1933 raten ihm seine Freunde, ins Ausland zu
fliehen; doch er lehnt das ab. Er geht von der Fehleinschätzung aus, dass man
die Nationalsozialisten mit offenem Visier auf dem Boden der Weimarer
Demokratie bekämpfen könnte. Er soll auch gesagt haben: „Hier im Lande bin
ich ihnen am unbequemsten.“ In der Nacht, in der der Reichstag in Berlin
brennt (27./28. Februar 1933), wird Carl von Ossietzky von der Geheimen
Staatspolizei verhaftet. Seine Stationen: Polizeigefängnis am Alex, Zuchthaus
oder KZ Sonnenburg bei Küstrin und KZ Papenburg-Esterwegen. Im Mai 1936 wird
er mit schwerer Tuberkulose in das Staatskrankenhaus der Polizei in Berlin
eingeliefert. Friedensnobelpreis 1936 Nach seiner Verhaftung 1933 werden
eine Reihe seiner ins Ausland geflohenen persönlichen und politischen Freunde
innerhalb der Deutschen Liga
für Menschenrechte (DLfM) aktiv, um seine Freilassung zu erreichen.
Darunter sind Albert
Einstein, Hellmut von Gerlach, Kurt Grossmann und Hilde Walter. Sie
wollen die internationale öffentliche Meinung beeinflussen mit dem Ziel, dass
Ossietzky den Friedensnobelpreis
bekommen soll. Sie sehen das als wichtigstes Mittel, um seine Freilassung zu erzwingen.
Nach der wirkungsvollen zweijährigen internationalen Kampagne unter Führung
der DLfM
wird ihm am 23. November 1936 der Friedensnobelpreis
für 1935 zugesprochen. Das NS-Regime gerät dadurch in der Weltöffentlichkeit
unter Druck. Trotzdem wird die Ausreise nach Oslo und die Annahme des Preises
von Adolf Hitler verboten. Es wird Ossietzky versprochen, er könne in die
Freiheit entlassen werden, wenn er den Friedensnobelpreis ablehnt. Dieses Angebot nimmt er
nicht an. Ein Rechtsanwalt nimmt an seiner Stelle in Oslo das Preisgeld
entgegen und behält es dann für sich. Tod 1938 Am 4. Mai 1938 stirbt Carl von Ossietzky im
Alter von 48 Jahren im Berliner Krankenhaus Nordend, noch immer unter
Polizeiaufsicht, geschwächt durch Tuberkulose und die im KZ erlittenen
Misshandlungen. Sein Grab auf dem Städtischen Friedhof in Berlin-Pankow wird
als Ehrengrab gepflegt. Dokumente Das Archiv der Deutschen Liga für
Menschenrechte wurde von den Nationalsozialisten nach der Machtübernahme
vernichtet. Aber trotzdem sind viele interessante Dokumente erhalten
geblieben: Korrespondenz aus der Zeit von 1933 bis 1936 zwischen
Mitgliedern des Freundeskreises von Carl von Ossietzky: Kurt Grossmann,
Helmut von Gerlach, Otto Lehmann-Russbüldt, Rudolf Olden, Konrad Reisner,
Ernst Toller, Hilde Walter und Milly Zirker. Korrespondenz aus der
Zeit von 1933 bis 1936 von Mitgliedern des oben erwähnten Freundeskreises,
insbesondere Hilde Walter, mit Norman Angell, Gertrud Baer, Rudolf
Breitscheid, Max Brod, Albert
Einstein, Gustav Hartung, Konrad Heiden, Paul Hertz, Harold Laski,
Heinrich Mann, Thomas Mann, Ludwig Quidde, Ernst Rosenbusch, Kurt Rosenfeld,
Hein van Wijk, Herman Wiardi Beckman und anderen. Korrespondenz von Hilde
Walter mit Willy Brandt während seines Aufenthalts in Norwegen sowie mit
Frede Castberg, Mimi Sverdrup-Lunden und anderen Norwegern von 1935 bis 1936. Zwei Briefe von Carl
von Ossietzky aus den Jahren 1934 und 1936. Dokumente von 1935
und 1936 über die Gefangenschaft von Carl von Ossietzky und über die Kampagne
für seine Freilassung und seine Nominierung für den Friedensnobelpreis. Dokumente, die 1936
an das Nobelpreis-Komitee geschickt wurden. Zeitungsausschnitte, Flugblätter
und andere Duckschriften von 1934 bis 1936. Artikel, die Hilde
Walter von 1961 bis 1969 über Carl von Ossietzky geschrieben hat. Links zu ausgewählten Ossietzky-Informationen: http://homepage.hamburg.de/menschenrechtsbund/ossiezky-zeittafel.html
Biographie
Carl von Ossietzky: „Carl von Ossietzky
- Publizist“ Eberhard Fromm: „Carl von Ossietzky - Eine Kampfnatur ohne Konzeption?“ Einige bemerkenswerte Links: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/OssietzkyCarl/ http://www.shoa.de/p_carl_von_ossietzky.html http://www.berlinische-monatsschrift.de/bms/bmstext/9805deua.htm http://www.oppisworld.de/zeit/biograf/bios/ossietz.htm http://www.weltchronik.de/bio/cethegus/o/ossietzky.html http://www.br-online.de/wissen-bildung/kalenderblatt/2001/11/kb20011123.html
Zurück
/ weiter zur Seite „Informationen“
|
Internet-Seiten über die Deutsche Liga für Menschenrechte (DLfM): Deutsche Liga für
Menschenrechte (DLfM) von 1914 bis 1988) Geschichte und Symbole der Menschenrechts-bewegung
Wichtige Personen: Wichtige Vereine Die
Internationale Föderation FIDH Argumente
Frank Arnau:
„Menschenrechte, warum?“ „Unsere
Aufgabe“, Beschluß der Gruppe Hamburg von 1977 Olbers:
Die Bedingungen des Friedens Dokumente Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte
|
||||