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amnesty international in Deutschland
http://homepage.hamburg.de/menschenrechtsbund/ai-geschichte-brd.html
Der folgende Text stammt von amnesty international.
GESCHICHTE DER SEKTION DER
BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
"Ich war überzeugt, dass man es versuchen muß!"
Interview mit Carola Stern
1966 fand die eine der ersten Jahresversammlungen von amnesty
international in Köln statt. Welche Bedeutung hatte ai damals in der
Bundesrepublik?
"Als wir uns
1966 entschlossen, den ersten bundesweiten Jahreskongreß von amnesty in Köln
abzuhalten, war dies ein abenteuerliches Unternehmen. Wir hatten hier nicht
mehr als 23 Gruppen. Die meisten Gruppen waren damals ein
Ein-Mann-Unternehmen. Einer ergriff die Initiative und zwei, drei Freunde
kamen dazu. Mehr war das nicht."
Wie fing es denn
an mit amnesty international in Deutschland?
"Köln ist
sozusagen die Geburtsstadt von amnesty Deutschland. Ende Juni 1961 fand in
der Goltsteinstraße 185 in Bayenthal ein Sommerfest des Kongresses für die
Freiheit der Kultur statt. Etwa gegen 22 Uhr klingelte es, und da Gerd Ruge
und ich gerade an der Tür standen, haben wir aufgemacht. Und herein kam ein
Englaender namens Eric Baker, das war ein Freund von Peter Benenson, dem
Gründer von amnesty international. Er erzählte uns von dieser neuen
Organisation und wir beschlossen noch in der Nacht, die deutsche Sektion zu
gründen. Damals hieß die Organisation noch Appeal for Amnesty."
Auf welches
politische Klima trafen Sie mit dem Amnestie-Appell?
"Wir hatten
sehr große Schwierigkeiten, diese Organisation in der Bundesrepublik
aufzubauen. Es kam ein neuer Höhepunkt des Kalten Krieges. Damals gab es nur
Organisationen, die sich entweder um Gefangene in kommunistischen Ländern
oder für Kommunisten einsetzten. Für viele Leute war es unbegreiflich, daß
von uns unterstützt Engländer nach Deutschland kamen, um hier Prozesse gegen
KPD-Mitglieder zu beobachten. Andererseits beschuldigte uns die DDR, Agenten
des Imperialismus zu sein."
Welche Motive
hatten die Gründer von amnesty international?
"Die meisten
der Gründer wußten aus eigener Erfahrung, was politische Verfolgung bedeutet.
Mein Mann war als Kommunist in der Hitler-Zeit im Gefängnis und später in der
DDR als Angehöriger einer anti-stalinistischen Oppositionsgruppe inhaftiert.
Ich hatte meinem Mann nicht helfen koennen, als er im Gefängnis war und
dachte, das ist die Möglichkeit, etwas für andere Gefangene zu tun. Dazu kam
noch, daß ich Hitler-Mädchen war und an Hitler geglaubt hatte. Ich sah darin
eine Möglichkeit, Schuld aufzuarbeiten."
Waren Sie von
Anfang an überzeugt, daß Ihre Arbeit eine Wirkung hatte?
"Ich wußte
nicht, ob es Erfolg bringen würde. Mir war klar, daß es auch Mißerfolge geben
kann. Aber ich war von Anfang an überzeugt, daß man es versuchen muß. Und
solange mich niemand belehrt, daß es etwas Besseres, etwas Wirkungsvolleres
gibt, muß amnesty international so weitermachen. Im Laufe dieser 30 Jahre
sind Politiker, besonders Parlamentarier und Wirtschaftsleute in immer
stärkerem Maße bereit gewesen, sich für politische Gefangene einzusetzen.
Auch die Regierungen reagierten immer empfindlicher, wenn in ihrem Lande
begangene Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt wurden. Das Bewusstsein der
Weltöffentlichkeit ist so verändert worden, daß heute keiner mehr sagen kann:
Das habe ich nicht gewußt.
Wer sagt, das
bringt doch nichts, versucht nur, seine eigene Untätigkeit zu ueberdecken und
sich herauszureden, weil er nichts tun will. Wenn ich auf mein Leben
zurückblicke und denke, was ich alles gemacht habe, sage ich immer, das
Vernünftigste, was ich meinem Leben getan habe, war amnesty in der
Bundesrepublik zu gründen.
amnesty
international ist ein Mittel gegen die Gleichgültigkeit, Terror hinzunehmen,
zu Unrecht zu schweigen, nichts zu tun, zu sagen, es hat ja doch keinen
Zweck."
Das Interview
wurde im Jahr 1990 geführt.
Hier endet der Text von amnesty.
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